Beim Betreten der insgesamt vier, durch eine Wendeltreppe miteinander verbundenen Stockwerke des Lichtturms tauchen die Besucher in die Gewässer von lichtbasierten Werken verschiedener Künstler*innen ein.

Doch nicht nur die Innenräume des Turmes lechzen nach dem besonderen Spotlight: die Glaskuppel, der Rundgang um eben diese, die Grünflächen auf die man hinab und in die Weite schaut, der wild gepflasterte Weg am Amphitheater entlang zum Fuß des (Leucht-?) Turms. Von Licht- und Videokunst über Klangkunst zu experimenteller Performance und zurück zu fluider Isorhythmik sind den Ausdrucksformen keine Grenzen gesetzt. Kuratorin Verena Barié schlägt mit ihrer Dialektik-Reihe sechs mögliche Belichtungswinkel vor. Darüber hinaus lädt das LTS4 durch einen OPEN CALL (Herbst 2021) junge, schaffende Künstler*innen aus der Freien Musikszene ein, ihre Klangsprache durch die Annäherung über ein Lichtkonzept (neu) zu definieren. Eine Auswahl der Werke wird von der Kuratorin Verena Barié, dem Co-Kurator Rochus Aust sowie der Geschäftsführerin des “Hellweg – ein Lichtweg” Sigrun Krauß getroffen, welche der Produktion der Werke im Lichtturm mit Erfahrung und Passion zur Seite stehen.
III – Dialektik

Zunächst steht die Behauptung im Raum, das Licht einfach da ist. Vor allem für Musiker*innen ist es oftmals ein Übel, welches meist erst kurz vor dem Auftritt bedacht wird und hindert, wenn es blendet oder wenn die Noten nicht entziffert werden können. Im LTS4 soll Licht nicht nur als Spotlight für die „eigentliche Kunst“ dienen, sondern die Basis zur künstlerischen Entfaltung sein. Dabei ist der Weg zum lichtbasierten Ansatz gerne auf abstrakten Pfaden zu erklimmen: von der literarischen Mannigfaltigkeit der Bedeutung des „Erleuchtens“ bis hin zu Licht durchfluteter rhythmischer Extravaganz. Die Leuchtkraft des Lichtturm Solingens soll expandiert werden und über die Stadtgrenzen hinaus das Bergische Land zum Diskurs zu umwelt- und sozialpolitischen Themen einladen.

Lichtbasierte Performances werden jeweils zum ersten Samstag der geraden Monate des Jahres vor Ort produziert und in 2021 in der Reihe Dialektik gezeigt. Dazu werden spartenübergreifend Künstlerinnen eingeladen, welche das Areal in Szene setzen. Adressiert werden dabei Umweltaktivismus und Sozialpolitik durch (Kunst-) Werke, Produktionen und Diskurse zwischen den Künstlerinnen und dem Publikum. Sechs Performances werden im Lichtturm Solingen erarbeitet und aufgeführt. An zwei Probentagen vor Ort werden die Innen- sowie Außenräume des Lichtturms erkundet, bespielt und herausgefordert. Daraus konzipiert sich am dritten Tag die Präsentation, welche an natürliche Lichtverhältnisse gebunden wird und mit jenen spielt – frühe Morgenstunden, durchdringende Mittagssonne, sanfter Sonnenuntergang, nächtliche Dunkelheiten, die Dialektik der natürlichen Zwie-Lichte und künstlicher / künstlerischer Lichtquellen.